• Nicole Vontobel

Das Büro auf der Baustelle

Aktualisiert: Apr 29

(interviewt und geschrieben von Stephanie Weiss, Digital Publishing Consultant bei Chili Digital)


Wenn ein Architekt und eine Digitalunternehmerin die Köpfe zusammenstrecken, kommt unter Umständen Kreatives raus. So beim Ehepaar Vontobel, das sich immer wieder über das Leben auf der Baustelle unterhielt und dabei auf eine Schwachstelle stiess. Kurzerhand liessen sie das JUURLY® Baujournal entwickeln.




Das Baujournal als Zeitfresser


Wer als Architekt oder Bauleiter ein Bauprojekt leitet, tauscht sich regelmässig mit Handwerkern, Baufirmen und Bauherren aus. Die Gesprächsnotizen werden dabei meist von Hand in ein Notizbuch geschrieben. Dabei geht es darum, Handwerker zu kontaktieren, zusätzliches Material zu bestellen oder einen Mangel zu erfassen. Bauleiter und Architekten sind verpflichtet, ein Baujournal zu führen. Dabei muss unter anderem auch jeden Tag das Wetter und die Aussentemperatur erfasst werden. «Das Baujournal ist ein zentrales Instrument für einen Architekten und wichtig für die Nachvollziehbarkeit. Wenn ein Versicherungsfall auftritt, wird sofort nach dem Baujournal verlangt», sagt Marc Vontobel vom Architekturbüro A. Somogyi AG in Romanshorn. Anschliessend müssen die handgeschriebenen Notizen im Büro digital erfasst werden, was viel Zeit beansprucht. Vontobel störte sich immer an dieser Doppelerfassung. «Ich habe mich immer schwer getan mit dem Baujournal, weil ich dafür immer viel Zeit brauchte und es für die Projektarbeit nicht gut weiterverwenden konnte.»

Als dann die ersten Tablets auf dem Markt erschienen, erkannte Vontobel darin Potential für ein digitales Journal, das sich auf den Bau mitnehmen liesse. Trotzdem musste er noch einige Jahre warten, bis diese Technologie voll ausgereift war. «Ich habe mich immer wieder mit meiner Frau Nicole darüber unterhalten und wir heckten Ideen aus.» Als das iPad Pro auf den Markt kam, sah er seine Zeit gekommen und suchte verzweifelt nach Apps, die ihn beim Baujournal unterstützen könnten – vergebens. «Alle waren sie noch Desktop-lastig. Für mich war immer die wichtigste Voraussetzung, dass das Tool mobil ist und auf einem Tablet verwendet werden kann.»


«Ich habe mich immer schwer getan mit dem Baujournal, weil ich dafür immer viel Zeit brauchte und es für die Projektarbeit nicht gut weiterverwenden konnte.»

Marc Vontobel, Architekt


Bauleiter und Polier auf der Baustelle
Bauleiter Marc und Polier Gery beim täglichen Austausch

Eine Idee wird geboren


Was es also noch nicht gab, musste erfunden werden. Das Paar verfasste ein Anforderungsprofil und zeigte es einer befreundeten UX-Spezialistin. Dann ging es Schlag auf Schlag. Gemeinsam mit ihr und ihrem Mann überlegten sie, welche Funktionen Sinn machten und verfassten im Sommer 2018 User Stories. «Ich hatte viele Ideen, die sich aber nicht alle umsetzen liessen. Wir mussten uns auf eine Basis einigen, mit der man beginnen konnte.» Nachdem der Prototyp stand, erfolgte der Pitch, bei dem die Wahl auf Chili Digital fiel. Der Kickoff erfolgte 2019.


«Für mich war immer die wichtigste Voraussetzung, dass das Tool mobil ist und auf einem Tablet verwendet werden kann.»

Marc Vontobel, Architekt.



Baujournal mit BKP-Struktur und Projektjournal mit individueller Projektstruktur

Die wichtigste Anforderung an die Applikation war die handschriftliche Eingabe vor Ort. Diese sollte mit dem Finger oder mit einem Stift gemacht werden können und sich automatisch in Text umwandeln lassen. «Darin sahen wir von Anfang an unseren USP, an dem wir uns orientierten», bringt es Nicole Vontobel auf den Punkt. Ehemann Marc schwebte ein digitales Baujournal vor, mit dem sich die Projektleitung vereinfachen liess – etwas, das es in der angedachten Art auf dem Markt noch nicht gab. «Bei den herkömmlichen Applikationen geht die BKP-Kategorisierung nicht auf. Viele Berufskollegen haben das gleiche Problem wie ich. Deshalb haben wir von Anfang an eine Projektstruktur gewählt, damit alle damit arbeiten können.» Nach einer Marktanalyse erstellten die beiden einen Businessplan und ein Investorendossier.

Als die Betaversion stand, stellten die Vontobels diese drei Architekturbüros zum Testen zur Verfügung. «Dabei erhielten wir viele wertvolle Informationen. Gleichzeitig wurden wir immer wieder in unserem Ansatz bestätigt.»



Handnotizen gehen digital

Nachdem der Architekt oder Bauleiter seine Notizen mit einem Stift vor Ort auf dem Tablet erfasst hat, erfolgt die sofortige Umwandlung in Maschinenschrift. Dabei kann er BKP-Positionen und Tags hinzufügen. «So finde ich den Eintrag schneller wieder», so Vontobel. Die Einträge können mit den Unternehmern, die mit den BKP-Positionen im Projekt verknüpft werden, geteilt werden. Die Empfänger brauchen dabei kein JUURLY®-Abo. «Das wäre zwar schön, aber in der Realität würde das nicht funktionieren», sagt Nicole Vontobel. Des Weiteren kann der Architekt Fotos schiessen, diese mit einem Marker bearbeiten, beispielsweise um einen Mangel aufzuzeigen sowie Skizzen erstellen. Bei jedem Eintrag werden automatisch die Wetterdaten hinterlegt. «Noch während du auf der Baustelle mit dem Handwerker sprichst, erstellst du direkt nebenher deine Notizen und weist deinen Team-Mitgliedern oder Partnern Aufgaben zu», berichtet Vontobel, der erleichtert ist, dass er heute die Notizen nicht mehr im Büro digital übertragen muss.



Let’s juurly

Da das Paar die Finanzierung nicht alleine stemmen konnte, brauchte es Investoren. «Wir haben chili und Interface-Designerin Sandra Buechel gefragt, ob sie sich mit Aktien beteiligen möchten als Gegenleistung zu einem Teil ihrer Arbeit.» Nachdem das klappte und noch weitere Finanzzusagen aus dem persönlichen Netzwerk hinzukamen, gründeten Vontobels die Aktiengesellschaft Denkkraft, um JUURLY® zu betreiben.


«Die Idee des digitalen Notizbuches liesse sich beliebig auf Projektarbeiten anderer Art übertragen.» Nicole Vontobel, Geschäftsführerin Denkkraft


Ende Januar 2021 erfolgte der Markteintritt, zudem ist wurde vor kurzem die Unternehmerlösung mit einer Projekt- statt BKP-Struktur gelauncht. «Die Idee des digitalen Notizbuches liesse sich beliebig auf Projektarbeiten anderer Art übertragen», sagt Nicole Vontobel, die viel Potential in JUURLY sieht.


Der Markt reagiert positiv

Die Resonanz auf die ersten Marketingmassnahmen sei gut, stellen die beiden fest. «Es wurden schon etliche Testaccounts erstellt und Demos gebucht – und wir konnten bereits zahlreiche Abos verkaufen.» Marc Vontobel arbeitet mittlerweile standartmässig mit JUURLY und kann sich nichts mehr anderes vorstellen. «Natürlich war es ist eine Umstellung und eine andere Arbeitsform. Nach dem Einstieg ist es jedoch ganz einfach in der Handhabung.» Die Basis unseres Baujournals ist die BKP-Struktur. Später wurde auf derselben Basis das Projektjournal mit einer individuell erstellbaren Projektstruktur erstellt.



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